«Die Herzen, in denen die Liebe wohnt»
Die Geschichte von Evgenia
Mein Name ist Evgenia
Ich wurde in Kiew geboren und wuchs dort auf – in einer Stadt, die für mich immer ein Zuhause war, erfüllt von Licht, Arbeit, Freunden und Träumen.

Ich bin von Natur aus ein kreativer Mensch. Ich liebe es, mir Dinge auszudenken, Materialien zu erspüren, die Schönheit in den einfachen Dingen zu suchen. Jahrelang arbeitete ich mit Polstermöbeln, und in den drei Jahren vor dem Krieg entwarf ich neue Bettenmodelle. Ich liebte es, Gemütlichkeit zu schaffen, Formen durchzudenken, den Stoff unter den Fingern zu spüren – als könnte man durch ihn das Leben selbst fühlen.
1998 ließ ich mich taufen, und seitdem lerne ich, eine lebendige Beziehung zu Gott aufzubauen – ihm zu vertrauen, seine Führung zu suchen, dorthin zu gehen, wohin er führt.Meine Tochter hat denselben Weg gewählt – 2011 ließ auch sie sich taufen und weihte ihr Leben Gott.

Wir beide lernten, sogar in Schwierigkeiten einen Sinn zu sehen – doch damals wusste ich nicht, wie wertvoll dieses Wissen für mich werden würde.
Als die Welt zusammenbrach
Als der Krieg begann, zerbrach die Welt, die ich kannte, in wenigen Stunden. Man wacht morgens auf – und hört keine Vögel, sondern Explosionen. Die Fenster zittern, Menschen rennen, die Telefone klingeln ununterbrochen. Alles, was gestern noch fest und sicher schien, war zerbrechlich geworden wie Glas.

Panik lag in der Luft. Kiew, meine Heimatstadt, wurde zu einem beunruhigenden Echo von Sirenen. Viele fuhren weg – einige aufs Geratewohl, andere dorthin, wo es einfach „ruhiger“ war. Und ich schaute auf mein Haus, auf die vertrauten Straßen und konnte nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit war.

Wir trafen uns als Familie bei meiner Schwester – einfach nur, um zusammen zu sein. Wir hielten uns an den Händen, hörten Nachrichten und schwiegen. Innen war ich voller Angst, aber ich wusste: Panik wird uns nicht retten. Ich musste verstehen – was zu tun ist, nicht aus Angst, sondern aus Glauben.

Zusammen mit einigen Glaubensschwestern aus verschiedenen Gemeinden beschloss ich zu beten und zu fasten und Gott zu bitten, jedem von uns zu zeigen, wo er uns haben wollte.

Ich betete einfach:
„Wenn ich gehen muss, dann schick mir Menschen, mit denen ich das kann. Die eine Fremdsprache sprechen und mit denen es einigermaßen sicher wäre. Wenn ich bleiben soll, dann gib mir Frieden im Herzen.“

Drei Tage vergingen. Äußerlich hatte sich nichts geändert, aber in mir war Stille. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Ich spürte: Ich muss vorerst bleiben.

Ich begann, jeden Tag, jeden Morgen, jeden Blick meiner Lieben besonders zu schätzen. Alles wurde wahr, ohne Masken.
Der Ruf, zu gehen
Einige Tage später rief eine Freundin an:
„Wir fahren. Ich mit meinem Sohn und noch eine Freundin mit ihren Kindern. Vielleicht kommst du mit?“

Für mich war es wichtig, Gottes Willen für mich darin zu erkennen, denn ich verstand, dass genau diese Menschen den Bedingungen entsprachen, für die ich ursprünglich gebetet hatte. Aber irrte ich mich?

Ich ging wieder beten. Doch statt der gewohnten Worte kamen nur Tränen. Und plötzlich kam eine Bibelstelle auf mein Telefon: „Und wenn er seine Schafe hat hinausgelassen, geht er vor ihnen hin; und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme.“ (Johannes 10,4)

Ich schaute auf den Bildschirm und verstand – das ist die Antwort. Er geht voran. Und ich muss ihm einfach vertrauen.
Der Weg ins Ungewisse
Meine Tochter und ich fuhren fast ohne Sachen weg. Sie bestand darauf, ihre beiden Haustierratten mitzunehmen – ihr Käfig war von meinem Vater so zurechtgesägt worden, dass man ihn in der Hand tragen konnte. Die Stadt war abgeriegelt, es gab fast keine Transportmittel. Wir gingen zu Fuß durch leere Straßen, unter dem Dröhnen der Luftalarmsirenen.

Als sich die Zugtüren öffneten, brach eine Panik aus – die Menschen drängten einfach hinein. Ich schaffte es, auf den Trittbrett zu steigen, und sah, wie der Strom meine Tochter mit dem Käfig wegdrückte. Ich schrie, rief nach ihr, und die Menschen wichen auseinander. Sie ließen sie durch. Wir setzten uns nebeneinander, drückten uns aneinander und weinten einfach.

Im Wagon war es dunkel, eng, einige beteten, andere stöhnten leise. Neben uns saß ein Mädchen aus Charkiw mit fast vierzig Grad Fieber – sie hatten eine Woche lang vor Explosionen im Keller Schutz gesucht. Wir wussten nicht, wohin wir fuhren. Der Zug fuhr ohne Fahrplan, ohne Anzeige, einfach in Richtung Leben.

Später stellte sich heraus: nach Lwiw. Dort trafen wir meine Freundinnen und fanden durch unsere Gemeinde einen Ort, der uns aufnehmen konnte – Berlin.
Wenn der Weg zum Wunder wird
In Berlin wurde meiner Tochter die Anmeldung verweigert – wegen ihrer Haustiere. Sie konnte sie nicht zurücklassen. Und da öffnete Gott eine andere Tür – nach Frankreich. In Paris nahm sie eine Familie auf, wo sie einen jungen Mann kennenlernte, ein Mitglied dieser Familie, der bald ihr Ehemann wurde. Heute sind sie eine glückliche Familie.

So fügte Gott ihr Schicksal – sogar durch die Liebe zu den kleinen Wesen, die sie nicht im Stich lassen konnte.
Berlin. Die Stille nach dem Sturm
Seit März 2022 lebe ich in Berlin.
Ich erinnere mich an das erste Gefühl des Friedens – als man nicht mehr beim Klang der Sirenen zusammenzucken musste. Als man schlafen konnte. Einfach schlafen. Ich stand auf dem Balkon, schaute dem ruhig dahinziehenden Himmel nach – und weinte vor Dankbarkeit.

Ich bin Deutschland dankbar für seine Güte und die Zuflucht. Und ich bin Gott dankbar – dass er mich mitten im Chaos und in der Angst Schritt für Schritt geführt hat.
Herzchen als Zeichen der Liebe
Seit ich in Deutschland bin, sehe ich mehr Herzchen als je zuvor – in kleinen Steinen, in Blättern, in Schatten auf dem Weg.
Sie scheinen aufzutauchen, um mich zu erinnern:
„Du bist nicht allein. Ich bin bei dir.“

Ich begann, diese Herzen aus Stein zu sammeln und zu beten:
„Was soll ich mit ihnen tun?“

Ich sehnte mich so sehr danach, dass auch andere Halt in Gott finden mögen.

Und da kam der Gedanke, den Sie nun in Händen halten.

Auf jedem Stein stehen die Worte:
„Vielleicht bist du so wenig perfekt wie dieses Herz,
aber Gott braucht dich.
Er hat von dir geträumt.
Du bist ein wichtiger Teil des Universums.“
Die Botschaft des Herzens
Jedes Herzchen ist ein wenig uneben, mit kleinen Rissen – doch genau darin liegt sein Zauber.
So sind auch wir – unvollkommen, und doch geliebt.
Gott sucht nicht die perfekten Menschen, er sucht die aufrichtigen Herzen.

Manchmal, um das Licht zu sehen, muss man durch die Dunkelheit gehen.
Um Vertrauen zu lernen, muss man einmal ohne Halt dastehen.

Meine Geschichte erzählt davon, dass Gott nah bleibt, selbst wenn alles um uns zerbricht.
Er kann Schönheit aus dem Chaos schaffen
und Sinn schenken, wo es scheint, als sei nichts mehr geblieben.
Eine Berührung
Jeder Stein ist eine Erinnerung daran, dass Gott ganz nahe ist.
Manchmal spüren wir ihn nicht mit Worten, sondern durch kleine Zeichen:
einen Stein in Herzform, einen warmen Blick, eine Begegnung, die kein Zufall war.

Möge dieser Stein für dich genau solche Erinnerung sein.
Dass du kein Zufall bist. Dass du wichtig bist. Dass man sich nach dir gesehnt hat.

Und vielleicht wirst du durch dieses kleine Herz eines Tages dein eigenes öffnen wollen – und ihm einfach sagen:
„Ich bin hier. Wenn es dich gibt – zeige dich mir.“
„Ich bin hier. Wenn es dich gibt – zeige dich mir.“