Als der Krieg begann, zerbrach die Welt, die ich kannte, in wenigen Stunden. Man wacht morgens auf – und hört keine Vögel, sondern Explosionen. Die Fenster zittern, Menschen rennen, die Telefone klingeln ununterbrochen. Alles, was gestern noch fest und sicher schien, war zerbrechlich geworden wie Glas.
Panik lag in der Luft. Kiew, meine Heimatstadt, wurde zu einem beunruhigenden Echo von Sirenen. Viele fuhren weg – einige aufs Geratewohl, andere dorthin, wo es einfach „ruhiger“ war. Und ich schaute auf mein Haus, auf die vertrauten Straßen und konnte nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit war.
Wir trafen uns als Familie bei meiner Schwester – einfach nur, um zusammen zu sein. Wir hielten uns an den Händen, hörten Nachrichten und schwiegen. Innen war ich voller Angst, aber ich wusste: Panik wird uns nicht retten. Ich musste verstehen – was zu tun ist, nicht aus Angst, sondern aus Glauben.
Zusammen mit einigen Glaubensschwestern aus verschiedenen Gemeinden beschloss ich zu beten und zu fasten und Gott zu bitten, jedem von uns zu zeigen, wo er uns haben wollte.
Ich betete einfach:
„Wenn ich gehen muss, dann schick mir Menschen, mit denen ich das kann. Die eine Fremdsprache sprechen und mit denen es einigermaßen sicher wäre. Wenn ich bleiben soll, dann gib mir Frieden im Herzen.“
Drei Tage vergingen. Äußerlich hatte sich nichts geändert, aber in mir war Stille. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Ich spürte: Ich muss vorerst bleiben.
Ich begann, jeden Tag, jeden Morgen, jeden Blick meiner Lieben besonders zu schätzen. Alles wurde wahr, ohne Masken.